Eine Chefarztstelle zu besetzen heißt, die medizinische, organisatorische und wirtschaftliche Leitung einer Fachabteilung neu zu vergeben. Gesucht wird nicht nur ein erfahrener Facharzt, sondern eine Führungspersönlichkeit, die Team, Leistungsspektrum und die Zusammenarbeit im Haus prägt.
Die Besetzung betrifft Geschäftsführung, Ärztliche Direktion und Personalabteilung gleichermaßen. Sie umfasst die Klärung der Ausgangslage, die Wahl des Suchwegs, die Ansprache geeigneter Kandidaten, die Auswahl und den Vertragsabschluss. Ob die Stelle planbar oder kurzfristig frei wird, verändert vor allem den Zeitrahmen; die Schritte bleiben dieselben. Für den planbaren Fall gibt es einen eigenen Themenbereich: Chefarzt-Nachfolge.
Der Kreis geeigneter Kandidaten ist klein. Gesucht werden Fachärzte mit passenden Schwerpunkten, Führungserfahrung und der Bereitschaft, Verantwortung für eine ganze Abteilung zu übernehmen. Viele von ihnen sind bereits in leitender Position und suchen nicht aktiv.
Hinzu kommen persönliche Faktoren wie Familie und Wohnort, die einen Wechsel an einen anderen Standort erschweren. Zugleich verändert die Krankenhausreform mit ihren Leistungsgruppen, welche Profile Kliniken künftig brauchen.
→ Ausführlich: Warum Chefarztstellen immer schwieriger zu besetzen sind
Eine Stellenanzeige erreicht Ärztinnen und Ärzte, die gerade aktiv suchen. Für eine Chefarztposition ist das oft nur ein kleiner Teil der geeigneten Kandidaten. Die übrigen erreicht man nur, indem man sie gezielt und vertraulich anspricht.
In der Praxis ergänzen sich beide Wege: Die Anzeige schafft Sichtbarkeit, die Direktansprache erschließt den Teil des Marktes, der keine Anzeigen liest.
Vertiefender Beitrag folgt: Headhunter oder Stellenanzeige: Wie erreicht man nicht aktiv suchende Chefärzte?
Eine Vakanz verursacht Kosten, die in keiner einzelnen Rechnung auftauchen: Leistungen, die nicht erbracht werden, Zuweiser, die sich umorientieren, Mehrbelastung und Fluktuation im Team, Honorare für Vertretungen.
Wer diese Folgen grob beziffert, kann den Aufwand einer professionellen Suche realistisch einordnen und Entscheidungen schneller treffen.
Vertiefender Beitrag folgt: Was kostet eine unbesetzte Chefarztposition?
Am Anfang einer professionellen Suche steht die Frage, wo die geeigneten Kandidaten heute arbeiten. Ein Markt-Mapping erfasst Kliniken mit vergleichbarem Leistungsspektrum und die dort tätigen Chefärzte und leitenden Oberärzte.
Aus der vertraulichen Ansprache entstehen Gespräche, aus den Gesprächen eine Liste optimal qualifizierter Kandidaten, die fachlich passen und tatsächlich wechselbereit sind.
Vertiefender Beitrag folgt: Chefarzt suchen: Markt-Mapping, Direktansprache und Kandidatenauswahl
In günstigen Fällen lassen sich erste geeignete Bewerber nach wenigen Tagen vorstellen, bis zur Besetzung vergehen in der Regel mehrere Monate. Wie gut eine Besetzung gelungen ist, zeigt sich aber nicht am Tag der Vertragsunterschrift.
Sinnvolle Maßstäbe sind die Zeit bis zur Vorstellung der ersten qualifizierten Kandidaten, die Zahl der wirklich passenden Kandidaten, ob Angebote angenommen werden und vor allem, ob die neue Chefärztin oder der neue Chefarzt die Probezeit übersteht und bleibt.
Vertiefender Beitrag folgt: Chefarzt-Recruiting: Dauer, Kennzahlen und Qualitätskriterien
[Platzhalter: Praxis-Einordnung von Dirk Weber. Zum Beispiel: Woran Besetzungen in der Praxis scheitern, was Kandidaten im ersten Gespräch wirklich fragen und welche Muster sich über viele Suchprojekte zeigen.]
Inhalt
Grundlage: Erfahrungswerte der KLINIKER BRÜCKE aus Chefarztbesetzungen seit 2010. Angaben zu Dauer und Ablauf sind Erfahrungswerte, keine festen Regeln; der tatsächliche Verlauf hängt von Fachgebiet, Standort und Position ab.