Aus der Praxis
Dirk Weber, Gründer und Geschäftsführer
[Persönlicher Einstieg Dirk, 50–100 Wörter: z. B. ein Gespräch mit einer Geschäftsführung, die ein halbes Jahr vor dem Ruhestand des Chefarztes angerufen hat, und was in diesem Projekt dadurch schwieriger wurde.]
Warum eine Chefarztnachfolge kein gewöhnlicher Einstellungsprozess ist
Eine Chefarztposition wird selten besetzt, oft nur alle zehn bis zwanzig Jahre pro Abteilung. Entsprechend wenig Routine haben die meisten Häuser mit diesem Prozess. Gleichzeitig ist die Entscheidung folgenreich: Die neue Chefärztin oder der neue Chefarzt prägt Leistungsspektrum, Team und Ruf der Abteilung über viele Jahre. [prüfen: Zeitspanne „zehn bis zwanzig Jahre“]
Hinzu kommt, dass viele Beteiligte mitreden: Geschäftsführung, Ärztliche Direktion, Aufsichtsgremien, oft auch der Träger. Jede dieser Stellen braucht Zeit für Abstimmung. Wer diese Zeit nicht einplant, gerät später unter Druck.
Wie sieht die Rückwärtsrechnung aus?
Der sinnvolle Startpunkt lässt sich vom gewünschten Eintrittstermin zurückrechnen. Ein beispielhafter Zeitplan für eine planbare Nachfolge:
- 18 bis 15 Monate vorher: Zukunft der Abteilung klären, Anforderungsprofil erstellen, Auswahlgremium und Entscheidungswege festlegen.
- 15 bis 12 Monate vorher: Markt-Mapping und vertrauliche Ansprache geeigneter Kandidaten.
- 12 bis 9 Monate vorher: Gespräche, Auswahl der qualifiziertesten Kandidaten, Vorstellung im Haus.
- 9 bis 6 Monate vorher: Entscheidung im Gremium, Vertragsverhandlung, Unterschrift.
- 6 Monate bis Eintritt: Kündigungsfrist der gewählten Person, Übergabe vorbereiten.
[prüfen: Zeitplan mit eigenen Erfahrungswerten abgleichen.] Der Plan zeigt, warum 18 Monate kein Luxus sind: Schon eine Verzögerung in einer Phase, etwa weil ein Gremium erst später tagt, verschiebt den Eintritt.
Was passiert, wenn die Suche zu spät beginnt?
Beginnt die Suche erst kurz vor dem Ausscheiden, entsteht meist eine Lücke. Die Abteilung wird kommissarisch geleitet, Entscheidungen werden vertagt, und im Team wächst die Unsicherheit. Erfahrene Oberärzte, die sich selbst Chancen ausgerechnet hatten oder unter der Vakanz leiden, orientieren sich möglicherweise neu.
Vor allem aber fällt ein Teil des Kandidatenmarkts weg: Wer in einer festen Position ist, wechselt nicht kurzfristig. Unter Zeitdruck bleiben oft nur die Kandidaten, die gerade verfügbar sind, und nicht unbedingt die, die am besten passen. Was eine solche Lücke kostet, beschreibt der Themenbereich Chefarztstelle besetzen.
Wann ist ein noch früherer Start sinnvoll?
In manchen Fällen lohnt es sich, mehr als 18 Monate einzuplanen:
- bei sehr spezialisierten Schwerpunkten mit kleinem Kandidatenkreis,
- an Standorten, die für einen Umzug mit Familie weniger attraktiv sind,
- wenn die Abteilung strategisch neu ausgerichtet wird,
- wenn in einem Verbund mehrere Nachfolgen gleichzeitig anstehen.
Was ist zu tun, wenn die Stelle kurzfristig frei wird?
Bei einer Kündigung oder einem unerwarteten Ausscheiden beginnt die Suche sofort. Parallel braucht die Abteilung eine tragfähige kommissarische Leitung. Profil und Suchweg werden dann in wenigen Tagen festgelegt statt in Monaten. Die vertrauliche Direktansprache ist in dieser Lage besonders wichtig, weil sie auch Kandidaten erreicht, die nicht aktiv suchen.
Checkliste: die ersten Schritte einer Nachfolge
- Austrittsdatum und gewünschten Eintrittstermin festhalten.
- Zukunftsbild der Abteilung mit Geschäftsführung und Ärztlicher Direktion klären.
- Anforderungsprofil mit unverzichtbaren und wünschenswerten Kriterien erstellen.
- Auswahlgremium, Rollen und Sitzungstermine festlegen.
- Vergütungsrahmen und Eckpunkte des Vertrags abstimmen.
- Kommunikation mit dem amtierenden Chefarzt und dem Team planen.
- Suchweg entscheiden: eigene Ausschreibung, Direktansprache oder beides.
Unsere Einordnung
Was bedeutet das für Kliniken?
Die wichtigste Entscheidung in einer Nachfolge fällt am Anfang: der Startzeitpunkt. Wer früh beginnt, hat die Wahl zwischen mehreren guten Kandidaten und kann die Übergabe gestalten. Wer spät beginnt, verwaltet eine Lücke. [prüfen: eigene Einordnung von Dirk ergänzen, z. B. wie oft Kliniken in der Praxis zu spät starten und was das in Projekten bewirkt hat.]
Mehr zum gesamten Ablauf einer Nachfolge, vom Anforderungsprofil bis zur Übergabe, finden Sie im Themenbereich Chefarzt-Nachfolge.
Häufige Fragen
Darf eine Klinik die Nachfolge vor der offiziellen Ankündigung vorbereiten?
Ja, und oft ist das sinnvoll. Profil und Markt lassen sich vertraulich vorbereiten, bevor die Nachfolge im Haus bekannt wird. Wichtig ist, mit dem amtierenden Chefarzt abzustimmen, wann und wie kommuniziert wird.
Wie lange dauert die Suche selbst?
In günstigen Fällen lassen sich erste geeignete Bewerber nach wenigen Tagen vorstellen, bis zur Entscheidung vergehen in der Regel mehrere Monate. Gremienentscheidung, Vertragsverhandlung und Kündigungsfrist kommen hinzu.
Welche Kündigungsfristen haben Chefärzte?
Das regelt der jeweilige Dienstvertrag. Häufig betragen die Fristen mehrere Monate, oft zu einem Quartals- oder Halbjahresende. [prüfen]



